Magazin 1985/3

Matriarchale Spiritualität

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Inhaltsübersicht

  • Heide Göttner-Abendroth
    Matriarchale Spirtualität
  • Ursa Krattiger
    Matriarchale Geistigkeit
  • Lies Müller
    Von der Göttin-Heros-Struktur zur Göttin-Göttin-Struktur
  • Doris Jenny-Strahm
    Matriarchale Spiritualität oder die Suche nach weiblicher Identität | Versuch einer kritischen Einordnung
  • Rosemary Radford Ruether
    Was ist feministische Spiritualität?
  • Maria-Theresa Mastai
    Das Faszinierende an matriarchaler Spiritualität
  • Monika Hungerbühler
    Durststrecke
  • Regula Strobel
    Im Gespräch bleiben

Editorial

Innerhalb des Feminismus gibt es verschiedene Strömungen. Über die politischen Forderungen sind sich die Frauen inzwischen ziemlich einig (Gleichberechtigung, gleicher Lohn für gleiche Arbeit etc.). Im Bereich der religiösen und spirituellen Fragen hingegen bestehen einige Unterschiede. Wir meinen damit nicht nur die Tatsache, dass Frauen der verschiedensten Religionen sich in feministischen Gruppierungen engagieren sondern auch die Feststellung, dass in vom Christentum geprägten Gebieten wie Westeuropa und Amerika die Frage nach einer eigenen Spiritualität ganz unterschiedlich beantwortet wird. So gibt es Frauen,

  • die keine Beziehung mehr zu irgendeiner Religion haben wollen, weil sie bis anhin jede Religion als von Männern beherrschte erfahren haben.
  • die in der Bibel, im Christentum für sich befreiende Ansätze entdecken: die auch zwischen der christlichen Botschaft und der patriarchalen Überlieferung bzw. Interpretation derselben unterscheiden (-> feministische Theologie).
  • die versuchen, eine eigene – matriarchale – Spiritualität zu leben und dabei auf frühe, vorchristliche und vor-patriarchale Religionsformen zurückgreifen.

Mit diesem FAMA-Heft versuchen wir einerseits “Matriarchale Spiritualität” darzustellen und suchen andererseits das Gespräch mit jenen Frauen, die der matriarchalen Spiritualität – ihren Ritualen und Festen – Kraft zum Leben schöpfen. In diesem betrachtenden Gespräch gibt es manches, das wir als positiv erfahren, einiges, das uns auf blinde Flecken und Vergessenes in unserer eigenen Suche als feministische Theologinnen aufmerksam macht und auch einiges, das für uns grundsätzliche Fragen und Bedenken aufwirft.

Ein kritisches Gespräch also, das uns allen, die wir beteiligt sind, auf unserer Suche weiterhelfen soll.

Regula Strobel

Zum Titelbild

In der matriarchalen Spiritualität spielt das Labyrinth eine wichtige Rolle. Als eine bestimmte Variante der Spirale – eine Grundform des Lebens und des Universums – ist das Labyrinth ein sehr altes (matriarchales?) Symbol des menschlichen Lebensweges und wurde schon früh zum Ritual einer religiösen inneren Wandlung, die man nur in Entsprechung zur kosmischen Wandlung erlangen konnte. So sind bereits aus der Bronzezeit (1800-800 v. Chr.) Labyrinthe bzw. Umkehrspiralen bekannt, bei denen es sich wahrscheinlich um kultische Tanzstätten handelt, und deren Anfänge im minoischen Kreta vermutet werden. In vielen Umwegen, aber immer auf einer Linie, führt der Labyrinthtanz zur Mitte. Der kunstvolle Gruppentanz brachte die Tänzerinnen und Tänzer in Pendelbewegungen von links, der Todesrichtung, nach rechts, der Sonne und so wieder dem Leben entgegen. in der Mitte war man zur Kehrtwendung (Umkehr) gezwungen und kam in der Folge als eine/r Neugeborene/r, als Verwandelte/r, wieder heraus.

Das Titelbild bedeutet in der Sprache der Hopi «Mutter Erde».