Inhaltsübersicht
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Beata, Carmen, Maria, Rosmarie, SilviaWenn Formen nicht mehr bestehen, gibt es auch keine Feste mehr
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Carmen JudVon Rauhnächten und Weihnachten
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Birgit KellerDie Mütternächte
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Silvia Bernet-StrahmWeihnachtsgedanken angesichts (m)eines Kindes
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Elga SorgeSelbstfindung
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Ina PraetoriusWie gehen wir mit «dem Menschen» um???
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Conni Jacomet-KreienbühlEin Weihnachtsbild!
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Birgit Frey-SchusterWeihnachten
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Monika HungerbühlerBuchbesprechung: «Die Farbe Lila»
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Marga BührigNetzwerke feministischer Theologie
Editorial
Schon seit Wochen füllt sich mein Briefkasten mit allerlei sinnigen und unsinnigen Angeboten, mit denen ich meine ganze Umgebung zu Weihnachten beschenken könnte. Frauen- und andere Zeitschriften versprechen mir das beste Weihnachtsmenü, garantiert willkommene Geschenkideen, Bastelvorschläge, reizende Dekorationsideen für Haus und Baum und weiss der Himmel was alles noch. Die Innenstadt glänzt im Lichterschein, und es wird nicht mehr lange dauern, bis in den Zeitungen und am Fernsehen die hoffnungsvollen, besinnlichen, friedebeschwörenden schönen Worte einflussreicher Leute sich auch um meine innere Weihnachtsvorbereitung kümmern.
Eingedenk dieses alljährlich wiederkehrenden Rituals haben wir in der FAMA-Redaktion lange gezweifelt, ob wir schon im ersten Jahr eine Weihnachtsnummer machen sollten. Würde es nicht mehr bringen, uns auf einen ausdrücklich feministischen Zugang zu konzentrieren, z.B. «Menschwerdung – Frauwerdung»? Nun, wir machen eine Weihnachtsnummer, und ich habe nachträglich den Eindruck, es ist deshalb, weil uns dieses alte Fest einfach keine Ruhe lässt. Der Gedanke, über das alte Weihnachten nachzudenken, hat uns ganz einfach gereizt. Zudem glaube ich, die Flucht nach vorne, zu Begriffen wie Menschwerdung oder eben Frauwerdung wäre noch zu früh. Wie sollen wir mit Abstraktionen zurecht kommen und daraus eine neue Weihnachtstradition aufzubauen suchen, solange wir noch immer alte Bilder, Sehnsüchte, Fetzen von Stimmungen, Hoffnungen und Ängste in uns tragen, über deren Gewicht, Möglichkeiten und Grenzen wir uns noch sehr wenig klar sind (dazu vor allem das Gespräch). Wir wollten auf dem Weg hin zu einem “neuen Weihnachtsfest” erinnernd, spürend und denkend Spuren der alten Hoffnung suchen, die mit der Geburt dieses Kindes verknüpft ist, und wir wollten uns fragen, ob diese alte Hoffnung etwas zu tun hat mit unserer neuen Hoffnung, mit der Vision von der Menschwerdung der Frauen. Jeder Beitrag dieses Heftes hält auf seine Weise Hoffnungszeichen fest, versucht sie zu benennen, und Ansätze zum Weitersuchen anzudeuten. Jede Autorin hat ihren eigenen Zugang gewählt. Mir selbst ist der Blick in die Vergangenheit sehr wichtig, die Frage, was wir in unserer Zivilisationsgeschichte “überwunden”/verdrängt haben, und ob bei dieser archäologischen Arbeit Scherben ans Licht kommen, die uns wieder von neuem bezaubern können. Eine Scherbe vom Grunde des patriarchalen Abfallhaufens sind die “Mütternächte”, deren Spur zu matriarchalen Einflüssen führt und neue Identifikationsmuster erschliesst (Brigit Keller). Die Geschichte, die Silvia Bernet-Strahm ihrem Kind erzählen möchte, ist wohl eine Hoffnungsgeschichte, aber sie ist auch eine Fragegeschichte: Wie kann unsere Vision von der ganzheitlichen Menschwerdung von Frauen und Männern in einer patriarchalen Welt erzählt und verbreitet werden? Hoffnung hat sehr viel mit Liebe zu tun, davon hat schon Paulus gesprochen (1 Kor 13), und dennoch sehr eng von der Liebe gedacht. Unsere Hoffnung (auf das Reich Gottes, das Paradies auf Erden) möchte/muss diese Enge sprengen, denn sie meint unbedingte Liebe, befreite Erotik, Vertrauen, umfassende Zuneigung (Elga Sorge). Wie weit davon entfernt unser Denken und dessen Gefäss, die Sprache, noch sind, zeigt die Analyse über den Gebrauch des Wortes “Mensch” in theologischen Büchern (Ina Praetorius).
Und dennoch – es gibt Hoffnungszeichen: Bücher (Monika Hungerbühler). Bilder (Conni Jacomet-Kreienbühl) und auch Bewegungen und Initiativen (Marga Bührig). Wir wollten eine Weihnachtsnummer machen, die nicht Abrechnung, ebensowenig jedoch kritiklose Bestätigung weihnachtlicher Bedürfnisse sein sollte. Wir wollten zur christlichen Weihnachtstradition stehen, (drin stehen wir sowieso – ob in säkularisierter oder kirchlicher Form) aber unser Respekt vor der Tradition hängt davon ab, ob sie in unserem Leben Gestalt gewinnen, uns Inspiration und Hoffnung vermitteln und die Utopie der Menschwerdung auch für Frauen wachhalten kann.
Carmen Jud