Magazin 1986/3

Frauen und Amt

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Inhaltsübersicht

  • Dora Wegmann, Esther Suter
    Diskussion um das Amtsverständnis und die Ordination der Frau in den reformierten Kirchen der Schweiz
  • Ida Raming
    Ordination der Frau für ein erneuertes Amt
  • Gracia Fay Ellwood
    Männer als Priester? Unmöglich
  • Röm. Kath. Glaubenskongregation
    Priesterinnen? Aus Treue zum Herrn: Nein. | Auszüge aus der «Erklärung zur Zulassung der Frauen zum Priesteramt»
  • Silvia Bernet-Strahm
    Die Sieger schreiben die Geschichte – auf ihre Weise
  • FAMA-Redaktion
    Frauen haben ein absolutes Recht auf die gleichen Alternativen wie Männer sie haben
  • Pat Remy, Julia Lädrach, Lisianne Enderli
    Erfahrungen mit Amtsstrukturen

Editorial

“I have got to know it” – “Ich muss es wissen”, “Hungrige Lippen fragen mich: Warum bringt dieses Schiff Gewehre und kein Brot? Ich muss es wissen.” So singt die schwarze Frauengruppe aus den USA “Sweet Honey in the Rock” und bringt damit eine Empörung zum Ausdruck, die auch die unsrige ist: die Empörung über die Napalmbomben auf Kinderleibern, über Hungerbäuche, über “Whites-only”-Schilder in Südafrika, die Empörung über die Kaltblütigkeit der Politiker angesichts des drohenden Verlustes der Erde, über die zunehmende Depression der Engagierten, über die Verschweigung der Frau in Kirche und Gesellschaft (Bärbel von Wartenberg-Potter). Ebenso singt das Lied von der Forderung nach Gerechtigkeit: alle Hungernden mögen essen und trinken, alle in Unrecht Ausharrenden mögen zu ihrem Recht kommen.

Wissend um die obengenannten Unrechtsstrukturen, befassen wir uns in diesem Heft dennoch mit den Unrechtsstrukturen in der Kirche – im traurigen Bewusstsein darum, dass uns hier, in der Auseinandersetzung mit Macht- und Strukturfragen in der Kirche, Energien abverlangt werden, die wir für den Kampf für eine gerechtere und friedvollere Welt dringend nötig hätten. Doch als Theologinnen und Christinnen werden uns diese Fragen, ob wir wollen oder nicht, einfach aufgezwungen. Deshalb müssen wir fragen: Warum sind wir vom Priestertum ausgeschlossen? Wir müssen es wissen! Warum bekommen viele protestantische Pfarrerinnen eine heimliche Diskriminierung zu spüren? Wir müssen es wissen!

Anlass, uns mit dem Thema Frauen und Amt auseinanderzusetzen, sind unsere Empörung über den Status quo und eine Forderung nach Gerechtigkeit: vor zehn Jahren erliess die römische Glaubenskongregation eine Erklärung, die den Ausschluss der Frau vom Priestertum beinhaltet. Die Frau – so der heilige Stuhl – besitze die “natürliche Ähnlichkeit” nicht, die zwischen Christus und dem Priester bestehe. “Ungetaufte und Frauen können nicht zur Weihe zugelassen werden”, unterstreicht auch das neue, im November 1983 in Kraft getretene katholische Kirchenrecht.

Durch die gegenwärtige Struktur des Frauenausschlusses, wie sie innerhalb der katholischen Kirche explizit in der Treue zum Herrn behauptet wird, erfährt die Frau nicht die gleiche Behandlung wie der Mann und befindet sich einzig wegen ihres Geschlechts in einem untergeordneten Rang und einer immer schon zweitrangigen Rolle. Andererseits lehrt uns die Erfahrung unserer nicht-katholischen Schwestern, dass die Öffnung des Amtes für Frauen ein erster schritt ist, dem eine Neugestaltung des Amtes aus feministischer Sicht als zweiter Schritt folgen müsste, da es um Strukturveränderungen fundamentalster Weise geht, die das patriarchal-hierarchische Amtsverständnis, das männliche Gottesbild, den Pflichtzölibat und vieles mehr betreffen.

Solange Frauen nur erschwerten (wie in der protestantischen Kirche) oder gar keinen Zutritt zu Amt und damit auch zu Entscheidungs- und Machtpositionen, d.h. auch zur ganzen Verantwortungswahrnehmung (wie in der katholischen Kirche) haben, solange müssen wir Frauen für die volle Zulassung zum Amt kämpfen, auch wenn wir es in der bestehenden, von Männern geprägten Form gar nicht innehaben wollen.

Dass diese Doppelstrategie vor allem für katholische Frauen/Theologinnen nötig ist, dass wir unseren Ausschluss vom Priesteramt immer wieder als fundamentale Diskriminierung thematisieren müssen, liegt u.a. auch in der Tatsache begründet, dass Kirchenmänner diese Diskriminierung verschleiern, unsere Forderungen zurückweisen, oder schlimmer: gar nicht zur Kenntnis nehmen, wie es die jüngsten Äusserungen des katholischen Weibischofs des Bistums Basel, Josef Candolfi, zur Stellung der “Frau in der Kirche heute” (Balser Pfarrblatt vom 20.7.86) illustrieren: Er übergeht das Problem des Priestertums der Frau völlig und umschreibt obendrein “das Unersetzliche” der Frau wie folgt: “Damit die Frau aus gleichberechtigte Partnerin in Kirche und Gesellschaft anerkannt wird, sollte sie zunächst im eigenen Hauswesen ihre Sendung ganz erfüllen: Liebe und Wärme ausstrahlen, die allein eine Familie lebendig machen und in Bewegung bringen.”

Dieser Form der Unsichtbarmachung der Frau in der Kirche halte dieses Heft unsere Existenz und damit die Dringlichkeit unserer Fragen und Rechte als immer leuchtende Sichtbarwerdung entgegen.

Monika Hungerbühler