Inhaltsübersicht
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Silvia SchroerIch werde meinen Geist ausgiessen
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Jana Zofie Marcus-NatanovaSchawuot, das Wochenfest
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Elke JezlerDas Bild von Pfingsten – wes Geistes Kind?
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Heidrun RichterDer Wind, der Wind, das himmlische Kind
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Regula StrobelDer Geist weht, wo er will
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Li HangartnerIm Kampf um die Befreiung gehört Pfingsten uns
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Silvia Bernet-StrahmKeine Schwestern
Editorial
Pfingsten. Kein Thema, das ich selber vorgeschlagen hätte. Das Fest des Heiligen Geistes, das an das Gründungsereignis der christlichen Kirche erinnert, ist mir immer merkwürdig fremd und der Heilige Geist ein mehr oder weniger abstrakter leerer Begriff geblieben – allen theologischen Beteuerungen zum Trotz, die dem Pfingstereignis und dem Wirken des Geistes eine grosse Bedeutung für das Leben der Kirche zusprechen. Auch wenn nicht alle von der FAMA-Redaktion meine grosse Distanz dem Pfingstfest gegenüber teilen, so ist es für uns alle aber doch, im Unterschied zu Weihnachten oder Ostern etwa, der fehlende unmittelbare Zugang, der uns zu einem Nachdenken über Pfingsten bewogen hat. So möchte denn dieses Heft von verschiedenen Seiten hernach den Wurzeln und der Bedeutung von Pfingsten fragen und danach, was das Reden vom Geist damals bedeutet hat und was es heute, auch für uns Frauen, neu bedeuten könnte. Ein Aspekt des Pfingstgeschehens hat sich für mich beim Schreiben dieses Editorials immer mehr in den Vordergrund geschoben, hat alle anderen Aspekte verdrängt und mich zu faszinieren begonnen: Das Sprachwunder das in der Apostelgeschichte beschrieben wird. Pfingsten, das ist das Ereignis des Zusammenfindens unter einem gemeinsamen Geist, der über alle kulturellen und sozialen Unterschiede, über Geschlechts- und Sprachschranken hinweg ein gegenseitiges Zuhören und Verstehen ermöglicht, Verständigung und Mitteilung in verschiedensten Sprachen bewirkt. «Es hörte ein/jede/r in seiner/ihrer Sprache sie reden» (Apg 2,6). Ein schönes Bild, ein utopisches Bild, das in scharfem Kontrast steht zu jenem anderen Bild, das wir aus der Bibel kennen: die Sprachverwirrung, die der HERR über die Menschen kommen lässt, um den Turmbau von Babel zu verhindern – jenes Werk der menschlichen Hybris, dessen Spitze bis in den Himmel reichen sollte (Gen 11). Doch der Fluch hat nicht gewirkt. Die Menschen haben die Sprache trotzdem geschaffen, die Einheitssprache, die Computersprache, mit deren Hilfe sie ihre Türme in den Himmel bauen … Die andere Sprache aber, von der Pfingsten spricht, die Verständigung in unterschiedlichen Sprachen, die Einheit in der Vielfalt bewirkt, jene schöpferische Sprache, die ein Verstehen zwischen Fremden ermöglicht und lebendige Beziehungen zwischen Menschen zu schaffen vermag, um diese Sprache ringen wir Menschen noch immer. «Keine neue Welt ohne neue Sprache» (1. Bachmann). Keine neue Sprache ohne einen neuen Geist. Das Wunder der Verständigung über alle Barrieren von Kultur und Rasse, Geschlecht und sozialer Klasse hinweg, das Reden in neuen Sprachen, das an Pfingsten geschehen ist, war die Wirkung des Geistes, der von Gott über die dort versammelten Frauen und Männer ausgegossen wurde. Gemeint ist ein anderer Geist als der, der unsere Welt und auch unsere Kirchen weitgehend regiert, der (männliche) Geist, der sondert und aussondert, der ordnet und verordnet der zählt und misst und alles ausgrenzt, was nicht berechenbar, was unbeherrschbar, was überschüssig-lebendig ist. Gemeint ist der schöpferische Geist, die «Ruach» Gottes, die neues Leben erzeugt, die lebendig macht; die Lebenskraft, die Erstarrtes und Verhärtetes in uns aufweichen kann, die uns in Beziehung setzt und Gemeinschaft schafft; der Geist der Gerechtigkeit und Liebe, aus dem auch Jesusgelebt hat, und der Menschen zu verwandeln und menschenfeindliche Strukturen aufzubrechen vermag.
Wo dieser Geist weht, da ist Freiheit, da ist Bewegung, da ist Raum, da ist Licht, da ist Beziehung, da ist Wärme, da ist Sinnlichkeit – da ist Liebe. Nicht zufällig ist die Taube – seit alters her Symbol der Liebe, der Vogel der Liebesgöttin Aphrodite – auch zum Symbol des Heiligen Geistes geworden. Diesen Geist, der Leben und Liebe erweckt, der Neues erschafft könn(t)en wir Frauen wohl auch für uns und unseren Aufbruch in Anspruch nehmen.
Doris Strahm