Inhaltsübersicht
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Silvia Staub-BernasconiOhnmachtsphantasien
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Gret HallerStreitbare Friedfertigkeit
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Stella JegherMacht – Ohnmacht
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Gabriella GiacominIch blicke zurück, nicht im zorn, aber mit Verwunderung
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Monika Berger-SennMacht oder Ohnmacht der Mütter
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Regula StrobelWas kann ich allein schon machen
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Doris Strahm«Aus der Täuschung in die Enttäuschung»
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Silvia Bernet-Strahm«Nur Schwärmer überschätzen die Macht der Vernunft»
Editorial
Unser für diese Nummer gewähltes Thema ist nicht neu. Dennoch scheint es mir ein Thema zu sein, das mit immer grösser werdender Dringlichkeit diskutiert werden muss. Seit ein paar Jahren ist es auch in der Frauenbewegung ein viel diskutiertes Thema, doch lassen die so nötigen Umsetzungen und Veränderungen auf sich warten, und das Ziel des Kampfes, dass Frauen endlich ihren Platz, ihre Mitsprache und ihre Entscheidungsmöglichkeiten haben, ist noch weit entfernt. Macht-Ohnmacht ist ein Thema, das ohne “den Geist der real- existierenden Utopie” (Christa Wolf) nicht auskommt, damit unsere jetzige Wirklichkeit nicht noch unlebbarer und hoffnungsloser wird, als sie es jetzt schon ist. Es ist ein Thema, das von der Sehnsucht, der Forderung und dem nicht zu tötenden Lebensanspruch durchdrungen sein muss, ja, diese als über sich hinausweisend braucht, um ein bisschen wenigstens die Vorahnung einer Gesellschaft vorwegzunehmen, deren Gesetze nicht Herrschaft, Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg sind, sondern geteilte Macht, Gerechtigkeit, eine der Natur und ihrer Ressourcen Sorge tragende Ökologie, Friede. Doch scheint die Lage nicht eben hoffnungsfroh, weil in dieser Gesellschaft die uns ohnmächtig machende, aber in der Wirtschaft und Politik so gut funktionierende Maxime herrscht: mit möglichst geringem Kraftaufwand eine möglichst grosse Wirkung erzielen. Im Gegensatz zu dieser Maxime machen wir im Kampf um mehr Rechte und um Partizipation eine andere Erfahrung: dass mit sehr grossem Kraftaufwand eine sehr geringe Wirkung erzielt wird. Trotz dieser Realität weiterzumachen, braucht die Hoffnung, die Kraft, die Phantasie und das Durchhaltevermögen jener, denen gar nichts anderes übrigbleibt. So geht es vielleicht als kleinste Forderung überhaupt einmal darum, dass sich eine immer grössere Zahl von Frauen ein Minimum an Selbstbewusstsein nicht mehr nehmen lässt. Das ist die Voraussetzung dafür, dass breite Kreise von Frauen sich Zutritt zur Öffentlichkeit verschaffen können und sich den Anspruch auf Machtkritik und Machtteilnahme aneignen, um aus den gegebenen Verhältnissen das Äusserste herauszuholen. Damit sie sich trotz entfremdeter und destruktiver Strukturen und scheinbar unüberwindbarer Tabus und Sachzwängen in den entscheidenden Bereichen nicht mehr zurückbinden lassen. Was in den Artikeln dieses Heftes formuliert wird, geht, zum Glück, über den Minimalanspruch hinaus. Sie zeigen in sehr unterschiedlicher Art und Weise einen Teil der momentanen Diskussion auf. Es geht um Analysen der bestehenden Macht- (und Ohnmachts)strukturen, um Machtkritik und Machtansprüche von Frauen und um die Frage, ob der Begriff der Macht neu, ja sogar positiv bestimmt werden kann. Ergänzt werden diese Analysen durch Erfahrungsberichte von Frauen im Umgang mit Macht, die bestärken und zur Nachahmung ermutigen wollen. Auch die Ausführungen und Kommentare zu den provozierenden Thesen von Christina Thürmer-Rohr und Günther Anders sollen zum Nachdenken zwingen und zum Umdenken anregen. So ganz ungeschoren wird wohl keine davonkommen. Zum zweiten Mal enthält FAMA vier Zusatzseiten für ‘s Forum. Die Reaktionen auf das letzte Forum haben uns gezeigt, wie gefragt sie sind. Mögen die darin publizierten Berichte von Veranstaltungen und all die Hinweise auf kommende Anlässe, Treffen, Tagungen usw. dazu beitragen, unser Thema umzusetzen in konkrete Taten.
Cornelia Jacomet-Kreienbühl