Inhaltsübersicht
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Ina PrätoriusWie kriege ich gnädige Mitstreiterinnen
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Doris Strahm, Silvia Strahm BernetBin ich eine richtige Feministin
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Cornelia JacometWie sich frau das Leben schwer machen kann
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Lisa SchmuckliSpieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Feminististe im ganzen Land
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Monika Hungerbühler«… das eigene unsichere, leicht entmutigbare Innenleben»
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Silvia strahm BernetLieber schön und gescheit als hässlich und dumm
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Mary DalyWiderständiges Lachen
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Alexandra«Ich liebe Dich, Blake»
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Susanne Kramer-FriedrichMeine süss-sauren Heimlichkeiten
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Silvia Strahm BernetBrief an die feministische Gemeinde in Helvetien
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Cornelia KlingerÜber den Antifeminismus von Frauen
Editorial
5 Jahre FAMA, ein Grund zum Feiern, fanden wir, und vor allem auch ein Grund, uns an etwas zu versuchen, was wir immer wieder gewünscht und doch nie gewagt hatten: eine ige FAMA-Nummer. Nur – was heisst das in einer Zeit, in der es wirklich nicht allzuviel zu lachen gibt? Recht erstaunt stellte ich beim Nachdenken über unser Vorhaben fest, dass ich mit dem Wort lustig eigentlich nicht zuerst Lust verbinde, Lachen, Ausgelassenheit und Spass, sondern Oberflächlichkeit und Schenkelklopfen, dümmliche TV-Unterhaltung, sexistische und rassistische Pointen, das Lächerlichmachen der Schwachen und Machtlosen viel mehr als die humorvolle Demontage der Popanzen und ihrer Machtposen. Ich finde den herrschenden Humor zum Kotzen und die meisten Witze Beweis dafür, wie viele um den Zustand dieser Welt wüssten und an ihr leiden, aber es vorziehen, ihr Unbehagen in Hornhaut umzuwandeln und in Abwehr all dessen, was ungewohnt ist, fremd oder irritierend. Was ich heiss liebe sind diese hintergründigen Spielereien mit der Wahrheit, Charlie Chaplins grossen Diktator, die querdenkerische Logik von Graffitis («Gibt es ein Leben vor dem Tod?»), die entlarvende Macht wörtlich genommener Worte. Ich lache gern und viel, vielleicht gerade, weil ich weiss, dass Lachen ein Mittel ist wider die Resignation. Anlachen gegen die Dogmen und Spielregeln der Herrschenden ist eine allemal schonendere Abwechslung zum Anrennen. Es kann relativieren, irritieren, in Frage stellen, Grenzen sprengen, befreien – wenigstens uns selbst vom Leistungsdruck revolutionärer Perfektion und Reinheit. Als Feministinnen im Patriarchat brauchen wir Mittel gegen Verzweiflung und Überforderung, Ermüdung und Verbissenheit, gegen Rivalitäten und die Angst des Nichtgenügens. Die Lust am Kampf zu bewahren, unser bisschen Luxus, Heiterkeit und die Freude an diesem ganz bestimmten Fältchen in den Augenwinkeln ist eine Überlebensfrage. Dies ist wohl ein Grund dafür, dass in Frauengruppen nicht nur viel gearbeitet und gestritten wird, sondern ebensoviel gelacht und gespottet, über Gott – pardon Göttin – die Welt und uns selbst.
Diese Lust nicht nur zu erleben, sondern schriftlich festzuhalten und zu vermitteln, stellte sich als schwieriges Unternehmen heraus. Der Titel «Feministische Patriarchinnen – patriarchale Feministinnen» schliesst an an einer Erfahrung, die auch in vielen Klatschgeschichten aus der Szene oft mindestens hintergründig mitschwingt: Wir können uns noch so sehr bemühen «richtige Feministinnen» zu sein, irgendwann ertappen wir uns und unsere viel bewunderten Schwestern bei patriarchalen Resten in unseren/ihren reinen Feministinnenseelen oder stolpern gar darüber. Damit ist ja noch umzugehen, solange es sich um theoretische Um- und Irrwege handelt. Die sind in kollektiver Anstrengung aufzuarbeiten. Aber, was tun wir mit unseren je individuellen präfeministischen Lastern bzw. dem, was wir als zu dieser Kategorie gehörig befürchten – den uralten, romantischen, sentimentalen Wünschen? Aber eben, was würden auch die anderen Frauen denken, wenn sie wüssten … Ist es nicht der Vorwurf patriarchalen Verhaltens gerade auf dieser Gefühls- und Wunschebene, den wir von unseren Schwestern wirklich fürchten?
Wir sind uns bewusst, dass wir mit diesen Themen zwischen Selbstironie und Ernst, befreiendem Lachen und Verletzlichkeit auf glattem Parkett tanzen, und nicht alle lieben dieselben Tänze und dieselbe Musik. Aber wir hatten nun mal Lust zum und am Tanzen und hoffen, ihr auch.
Carmen Jud