Inhaltsübersicht
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Veronika MerzWir stehen erneut am Sinai – eine jüdisch-feimnistische Theologie
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Marianne Wallach-Faller«Das Licht des Mondes wird das Licht der Sonne sein»
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Marianne Wallach-FallerDie Frau im Judentum – ein geschichtlicher Überblick
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Tanja Kröni, Eva DymFrau- und Jüdin-Sein heute
Editorial
Die feministische Theologie sei antijudaistisch – das haben wir in den letzten Jahren oft hören müssen. Diese Kritik, ja gerade diese Kritik, hat geschmerzt, weil wir vieles davon nicht einfach als eine willig aufgenommene Abwehrtaktik entlarven konnten, sondern weil wir ihr in einigem recht geben mussten. Da kam auch Scham hinzu. Wie können wir, die wir uns gegenüber Unrecht für sensibilisiert halten, es aufzudecken und zu benennen suchen, wie können wir gleichzeitig anderen, denen Unrecht und Schlimmeres geschah, selbst Unrecht tun? Gerade diesen blinden Fleck hätten wir nicht erwartet. Seither ist viel über den Antijudaismus in der feministischen Theologie nachgedacht und geschrieben worden, und das ist wichtig und gut so. Wir werden denn auch in der März-Nummer der FAMA dieses Thema anzugehen versuchen. Aber hier, an dieser Stelle, wollten wir das Wort abgeben und zwar an jene, denen es hier in erster Linie gehört, den jüdischen Frauen selbst. Nicht damit sie uns noch einmal sagen, was es zu erkennen gilt, wo uns antijudaistische Verzerrungen jüdischer Realität und Tradition unterlaufen, auch nicht, dass sie uns um ihret- und unseretwillen die Fehler korrigieren helfen, sondern damit sie sich uns ein wenig zeigen, uns zu erfahren geben, was ihnen das Judentum ist und wie für sie eine weibliche jüdische Identität aussieht. Wir haben deshalb Marianne Wallach-Faller als Jüdin und Veronika Merz als eine Frau, die sich seit Jahren mit dem Judentum beschäftigt, gebeten, mit uns zusammen ein Heft zu konzipieren. Darin soll zumindest ausschnittweise Platz finden, was für eine jüdische feministische Theologie wichtig ist, und worin ihre Schwerpunkte liegen.
Einen breiten Raum nimmt in dieser Nummer dabei die erste umfassende Darstellung einer jüdischen feministischen Theologie ein und zwar das neueste Buch von Judith Plaskow «Standing again at Sinai».1 Judith Plaskow ist ausserordentliche Professorin für religiöse Studien am Manhatten College. Unter anderem ist sie Mitbegründerin und zusammen mit Elizabeth Schüssler Fiorenza Mitherausgeberin des «Journal of Feminist Studies in Religion».
Beim Lesen der hier zusammengestellten Texte wird uns klar werden, dass unser Bemühen, wach zu werden und unsere Sinne zu schärfen für Unrecht, das wir gleichsam unbeabsichtigt nebenher begehen, das eine ist. Dass es aber ebenso wichtig ist, dieses Kennenlernen nicht bloss zur Vermeidung von Fehlern zu instrumentalisieren, sondern auch, um unsere Neugier anzufachen und unser Interesse an einer vielfältigen und reichen religiösen Tradition, die uns nur in einem sehr kleinen Teil bekannt und auch da vorab in einer verzerrenden christlichen Optik des Überwindens (AT-NT) und Erfüllens (Christus als Messias) zugekommen ist.
Der christlich-jüdische Dialog – auch unter Feministinnen – ist schwer zu führen, da er nie unbefangen sein kann und immer Gefahr läuft, an Wunden zu rühren, die doch irgendwann einmal sollten heilen können. Zuhören, das wäre vielleicht ein erster, sinnvoller Schritt, der eventuell auch den zweiten erlaubte, nämlich den, zu sagen: Es ist spannend und inspirierend dazu, was wir vernehmen, und wir alle sollten uns in dieser «kargen Zeit der Zahl» nicht der Möglichkeiten berauben, unser Denken, aber auch unsere Bilder und Symbole in vielfältigsten Auseinandersetzungen offener und reicher zu machen. «… aber tief in dem einen Herz unseres Körpers brennt der immerwährende Busch», heisst es in einem Gedicht von Sharon Kessler, und ungeachtet des «garstigen Grabens der Geschichte», der nicht geleugnet, aber auch nicht als alles verstellend betrachtet werden soll, möge uns allen dieses göttliche Feuer nicht erlöschen, auf dass wir lebendig bleiben und Menschen.
Silvia Strahm Bernet
Die Bilder dieser Nummer stammen von der Künstlerin Véronique Filozof und sind Illustrationen einer in beschränkter Auflage erschienenen Festausgabe einer Pessach Haggada: Haggada de Paque. Texte hébreu revu par le Rabbin Back. Editions Robert Mord. Le Jas du Revest St. Martin, haute Provence 1962.
1 Für weitere Literatur zum Thema – vieles ist leider nur in Englisch erhältlich – verweisen wir auf die Bibliographie zur feministischen Theologie. Zusammengestellt von Ursula Vock und Ursula Riedi in Zusammenarbeit mit Ina Praetorius. Hrsg. von «Schritte ins Offene». S. 15-16.