Inhaltsübersicht
-
Kerstin Rödiger, Christine StarkKirche virtuell | Ein Internet-Chat
-
Veronika SchlörVon Leibern, Körpern, Atavaren | Gedanken zur «Entleibung» im Netz
-
Tania OldenhageFeministisches zum Ultraschall | Ich denke, also bin ich?
-
Antje SchruppNur einen Mausklick entfernt
-
Gabriela WildPartner in spe
-
Benita JoswigDer Christus aus Mandeln und Zucker | Ein echtes Kunstwerk im virtuellen Zeitalter
-
Moni EggerVirtuell geführter Vergeltungskrieg | Psalm 137
Editorial
«Wir treffen uns dann im Skype» – so die Abschiedsworte meines Neffen, der in Deutschland wohnt. Mit meiner Schwester Emaile ich (wenigstens manchmal), mit meiner Schwägerin in Brasilien «quatsch» ich regelmässig über MSN. Das alles gehört zum neuen «Web 2.0» – schon gehört? Die Hardware ist die gleiche, aber das Benutzen des Internets hat einen Quantensprung gemacht. Vor dem Medium sitzen und konsumieren war gestern, heute wird mit dem Internet Informations-, Beziehungs- und Identitätsmanagement betrieben. Das Private wird öffentlich – so scheint es, wenn ich mir die Weblogs anschaue. Jeden Tag werden davon 120 neu kreiert, weil die Benutzerinnen «sich selbst kreativ» ausdrücken, Erfahrungen teilen und mit Freunden in Kontakt bleiben wollen. Wenn das Private öffentlich wird – was passiert dann mit dem Politischen?
Virtuell, das meint «scheinbar» – «nicht physisch aber der Wirkung nach vorhanden». Im Internet existieren Personen und Orte die es geben könnte, aber ob es sie wirklich gibt, wissen wir nicht. Kommt mir bekannt vor – wie war das mit dem Paradies oder dem Reich Gottes? Was wir heute virtuell nennen, war das im Mittelalter vielleicht spirituell? Zumindest wurden spirituelle Räum auch als der Möglichkeit nach vorhanden angenommen. Nach Dantes Beschreibung in der Göttlichen Komödie wurden sogar Karten dieser Räume erstellt. Dass das Internet ein Raum der Wünsche ist, der Verheissung, der Erfüllung von Sehnsüchten, wage ich heute nicht mehr zu bestreiten. Das neue Konzept der Virtualität ist vielleicht immer noch mit spirituellen Dimensionen verknüpft, dazu gekommen ist jedoch das Medium des Internets. Ist das Internet dann ein technischer Ersatz für die spirituelle Vorstellung des Paradieses?
Diese FAMA beschäftigt sich mit Aspekten des Frauenlebens im Zeitalter der Virtualität. Wie beeinflusst das Konzept der an Technik geknüpften Virtualität heutige Lebensrealitäten von Frauen? Welche vorhandenen Konzepte potenziert es? Und welche Chancen bieten sich für Bewegungen wie den Feminismus? Und übrigens bieten wir das erste Mal, noch ganz handgestrickt, über MSN ein Treffen an, um an einem Thema weiterzudiskutieren. Ihre Meinung interessiert uns!
Kerstin Rödiger