Inhaltsübersicht
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Ruth Epting, Li Hangartner, Livia WeyVerwöhnt – gesegnet – dankbar | Theologinnen aus drei Generationen erzählen
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Irma GrafVerwöhnbegegnungen | Sein und Schein und neue Werte
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Julia SchöllAschenputtel und Josef | Von weiblichen und männlichen Aufstiegschancen
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Esther ImhofWir oder sie? | Verwöhntsein in verschiedenen kirchlichen Kontexten
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Claudia MennenWellness und Wellbeing | Wir freuen uns, Sie verwöhnen zu dürfen
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Jacqueline Sonego MettnerMir mangelt nichts | Von Gottes Fülle und Fehlen
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Simone RudigerKuchen, Pampers, Frühlingsgrün | Entdeckungen im Herkunftswörterbuch
Editorial
Wer verwöhnt ist, schätzt nicht mehr, was sie hat, sondern will immer mehr. Sie lebt in einer Anspruchshaltung, die letztlich nicht befriedigt werden kann. Die gestellten Ansprüche sind masslos. Sie gehen über das hinaus, was gesund und vernünftig ist. So die negativen Assoziationen, die sich mit Verwöhnt sein verknüpfen. Doch wie war das schon wieder? Frauen wollen nicht die Hälfte des Kuchens, sondern den ganzen Kuchen, oder gleich die ganze Bäckerei. Ganz schön anspruchsvoll. In Zürich befasst sich dieser Tage die 5. Schweizerische Frauensynode mit dem Thema «Wert-Schöpfung». Frauen denken in der sogenannten Wirtschaftsmetropole Zürich nach über ein neues Verständnis von Wirtschaft, gerechtes Haushalten und nachhaltiges Investieren. Sie geben sich nicht zufrieden mit dem, was ist, sondern sie wollen mehr.
Frauen halten fest an der biblischen Verheissung von Überfluss, an einem «Land, wo Milch und Honig fliessen». Überfluss nicht im Sinn von Überdruss schaffendem Konsum, sondern als überfliessende Fülle, die nicht rationiert wird und allen zugute kommt. Dazu gehört das Anerkennen menschlicher Bedürftigkeit, wie sie auch im Wort verwöhnt erinnert bleibt. Die darin enthaltende Wonne bedeutet Verlangen, Lust, Freude, Genuss und hat wohl ursprünglich mit dem Suchen von Nahrung zu tun. Wenn Hausarbeit, Nahrungsmittelproduktion, Pflege- und Betreuungsarbeit als Grundlagen jedes Wirtschaftens gedacht werden, wird sichtbar, auf welche Werte eine Gesellschaft nicht verzichten kann. Wer immer sie in Zukunft schaffen wird. Frauen wollen mehr – und sie schaffen damit ein Mehr. Exemplarisch tut das in der Bibel die Frau, die Jesus salbt. Sie vernichtet mit marktwirtschaftlichen Augen gesehen Wert, indem sie eine horrend teure Salbe über den Kopf von Jesus giesst. Sie verwöhnt ihn völlig unnötigerweise und verschwendet kostbares Gut. Doch sie schafft damit einen unbezahlbaren Mehrwert. Sie macht sichtbar, was durch die bevorstehende Hinrichtung von Jesus vernichtet werden soll: die Hoffnung, dass sich das überfliessende Leben weder von Gewalt noch Tod aufhalten lässt. Mit ihrer «schönen» Tat erweist sie sich als Mitschöpferin Gottes.
Ursula Vock