«Schwarz war immer schon mehr als eine Farbe. Ein Gefühlszustand. Eine ganz besondere Aufregung.» Diese Notiz der Künstlerin Brigitte Tast ist gleich mehrmals in ihrem neuen Foto-Text-Band «Durch Schwarz und Weiss» anzutreffen, mit dem sie ihre Trilogie zu den drei Farben Weiss, Rot und Schwarz abschliesst. Er versammelt über 450 schwarz-weiss Fotografien, grösstenteils von Tast analog mit Stativ und Drahtauslöser fotografiert, ergänzt durch Aufnahmen ihres Lebenspartners Hans-Jürgen Tast «mit seiner Digitalknipse». Poetische Texte und Gedanken verknüpfen die Bilder zu einer Art Lebensreise, die die Betrachterin zum Sinnieren über das eigene Leben anregt. Einerseits sind da die Bahnfahrten mit dem liebevoll als «Fliegender Teppich» bezeichneten 49-Euro-Ticket, andererseits erforscht Tast ihre künstlerische Vergangenheit. Und schliesslich blickt sie fragend in die Zukunft. In welchem Verhältnis stehen die Zeiten zueinander, ist die Vergangenheit grösser als die Zukunft oder vielleicht doch umgekehrt? An einer Stelle heisst es: «Die analoge Fotografie und ich, wie lange bleiben wir noch ein Paar?» Für diesen vielleicht persönlichsten Band hat sich Tast intensiv damit auseinandergesetzt, was Schwarz für sie bedeutet, aber immer wieder auch damit, was sie mit Weiss verbindet. Doch wer scharfe Kontraste oder simple Analogien erwartet, liegt falsch. Letztlich meditieren ihre Bilder und Texte die Fragilität des Lebens und machen sie so betrachtbar und durchdenkbar, ohne sie fixieren oder gar negieren zu wollen. Ja, bei der Lektüre ist zuweilen eine ganz besondere Aufregung zu spüren, obwohl oder vielleicht auch gerade, weil die Fotografien so unaufgeregt komponiert und präzise belichtet sind. Und dann strahlt das Buch auch wieder eine ganz besondere Ruhe aus, in der man es nicht mehr aus der Hand legen möchte. Auf dem letzten Bild bricht die mittlerweile 75-jährige Künstlerin Brigitte Tast zu neuen Ufern auf. Ihr Stativ hat sie dabei, und so können wir auf weitere Fotografien hoffen.