Inhaltsübersicht
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Christine GollFeministische Politik drinnen und draussen: Zerreissproben
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Gret HallerBilanz nach vier Jahren Einmischung
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Silvia Strahm BernetDer Geist weht, wo sie will
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Rita BlättlerWieviel Dissidenz ist innerhalb der Kirche möglich
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Agnes LeuDrinnen – aber aus der Froschperspektive
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Esther Borer-SchaubUnd sie bewegt sich doch
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Barbara RuchAls Feministin in der Kirche
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Monika HungerbühlerHier und jetzt das neue Brot des Lebens backen
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Katharina FreySchweizer Theologinnenverband
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Heidi Müller FreyVerein Frauen und Kirche
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Irene Gysel-NefÖkumenische Frauenbewegung Zürich
Editorial
Sollen wir innerhalb von Institutionen eine Veränderung der gesellschaftlichen Zustände bewirken oder ausserhalb? Haben wir – bei genauerer Analyse der Funktion solcher Institutionen – überhaupt eine Wahlmöglichkeit?
Verschiedene Institutionen wie die Kirchen, der Staat (die Beiträge beziehen sich vor allem auf diese), Schule und Familie sind nur vermeintlich Systeme, in die wir uns hinein- resp. aus denen wir uns hinausbegeben können. Denn die in diesen Institutionen vermittelten Normen und Werte beanspruchen nicht nur innerhalb ihrer Grenzen Gültigkeit, sondern werden auch nach aussen getragen.
Der marxistische Philosoph Louis Althusser bezeichnet die verschiedenen Institutionen wie Kirche, Schule, Familie, Gewerkschaft, Parteien, Information als Ideologische Staatsapparate, die auf der Grundlage der Ideologiefunktionieren. Dabei besteht für ihn ein direkter Zusammenhang zwischen der Ideologie der jeweils herrschenden Klasse und der in und durch diese Institutionen verbreiteten Werte. «Unseres Wissens kann keine herrschende Klasse dauerhaft die Staatsmacht innehaben, ohne gleichzeitig ihre Hegemonie über und in den Ideologischen Staatsapparaten auszuüben.»1 Dasselbe gilt auch für den Zusammenhang zwischen diesen Institutionen und dem Patriarchat. Um die Herrschaft des Patriarchats zu sichern, müssen die patriarchalen Werte durch Institutionen wie Kirche, Schule und Familie verbreitet werden.
Dasselbe gilt auch für die Funktion dieser Institutionen bezüglich des Patriarchats. Zur Sicherung der Herrschaft des Patriarchats und Aufrechterhaltung seiner Unrechtsstrukturen braucht es Institutionen, die die dem Patriarchat eigenen Werte und Normen verbreiten. Dabei bedienen sich diese nicht nur der Mittel der Propaganda, sondern auch – mehr oder weniger subtiler Mittel der Repression: die Schule bestraft, die Kirche exkommuniziert, Kultur und Information zensurieren, durch die Norm Familie werden andere Lebensformen als minderwertig oder gescheitert betrachtet und finanziell benachteiligt. Die Entscheidung, ob wir uns innerhalb oder ausserhalb von Institutionen engagieren, ist weitgehend eine Frage der Struktur und der Strategie. Weder können wir uns durch den Austritt aus solchen Institutionen den geltenden Normen entziehen, die das gesamtgesellschaftliche Leben prägen, noch ist die Schaffung alternativer Institutionen bereits schon Garantie für die Durchsetzung neuer menschlicher Werte. Frauenarbeit und Frauenkampf sind nicht schon deshalb feministischen Zielen verpflichtet, weil sie ausserhalb patriarchaler Institutionen stattfinden. Ich zweifle, ob es uns gelingt, durch das Schaffen einer FrauenKirche (welche sich zwar als Teil der offiziellen Kirche versteht), durch die Gründung von alternativen Schulen, die Besetzung von Fabriken als Kulturzentren als alternative Lebensformen oder die autonome Frauenbewegung der herrschenden Ideologie nicht nur andere Werte, sondern auch eine Macht entgegenzusetzen, die nicht auf Ausschluss und Ausbeutung, sondern auf Anerkennung der Gleichheit aller Menschen beruht. Gebrauchen nicht auch wir zur Durchsetzung unserer Anliegen Repressionsmittel wie Gesprächsverweigerung, Sanktionen oder Ausschluss?
Auch wenn wir unsere Anliegen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene vielleicht nie durchzusetzen vermögen, so hoffe ich, dass es uns wenigstens gelingen möge, fair zu kämpfen und unsere Macht nicht auf der Ohnmacht anderer aufzubauen
Li Hangartner
1 Louis Atthusser, Ideologie und ideologische Staatsapparate, Hamburg 1972, 122.