Tatsächlich waren wir eine der ersten Familien im Quartier, die einen Computer zu Hause hatten. Wir vier Kinder hatten uns dafür zusammengetan, auf sämtliche Weihnachtsgeschenke verzichtet und uns stattdessen gemeinsam einen «Macintosh» gewünscht. Diese geheimnisvolle graue Kiste war fortan Teil des Familienlebens, und noch heute sind bei gemeinsamen Anlässen manchmal mehr Computer anwesend als Menschen. Zum Glück sind sie inzwischen ja viel schlanker als ihre Vorfahren aus den 80er Jahren. Aber trotz dieser meiner digitalen Frühsozialisierung fühle ich mich meistens fremd in digitalen Welten. Eigentlich wenig verwunderlich. Denn noch stärker als die analoge Welt wird die digitale von Männern gestaltet, ausgehend von männlichen Erfahrungen und strebend nach männlichen Visionen. Künstliche Intelligenz ist nicht geschlechtslos.
Die deutsche Künstlerin Brigitte Tast wirft einen Blick von aussen auf Orte der Digitalisierung, wo ihr mehrheitlich Männer und Maschinen vor die Linse kommen. Die Fotos dieser FAMA stammen aus ihrer Serie «random noise, steadily». Diese Langzeitstudie entsteht an unterschiedlichen Orten und dokumentiert bewusst analog und ohne Blitz, was die Digitalisierung auslöst und wie sie auf Menschen wirkt. Dafür ist die Fotografin auch während der oft ziemlich hitzigen Aufbau-Phase dieser Veranstaltungen mit ihrer Kamera unterwegs. Sie sagt dazu: «Häufig habe ich mich dort als Aussenseiterin gefühlt, die die Anhänger_innen einer mir fremden Ideologie bei der Ausübung ihrer Riten beobachtet. Wahrscheinlich gestaltete ich deswegen meine Bilder, dies geschah jedoch recht unbewusst, als Triptychen, in der Form eines Flügelaltars.» Etwas Quasi-Religiöses schreiben Technikfreaks ihrer Leidenschaft häufig auch selbst zu. Sie verwenden dabei Gottesmetaphern, die ich längst überwunden glaubte. Höchste Zeit also, dass die FAMA ihren feministischen Blick auf die technischen, sozialen und symbolischen Auswirkungen von KI wirft.