Vorweg möchte ich klarstellen, dass die «Generation Z», die nach Freiheit strebt und nur das macht, was ihr gefällt, eine winzige Bubble ist, die extrem privilegiert ist. Ein Grossteil unserer Generation arbeitet genauso viel wie alle Generationen davor! Dies aus dem einfachen Grund, dass sich unser kapitalistisches System bis jetzt noch nicht verändert hat und es sich die meisten schlichtweg nicht leisten können, ihre Beziehung zu Arbeit zu hinterfragen. Ich – in meiner privilegierten Bubble-Position – bin der Meinung, dass man auf jeden Fall das eigene Wohlbefinden an erste Stelle setzen sollte. Wenn du dein Glück im Beruf findest, dann go ahead, arbeite 100%! Aber wenn man auch ein gutes Leben führen kann, ohne so viel arbeiten zu müssen, und – wie ich – neben Arbeit und Uni noch viele andere Interessen hat, finde ich es mehr als gerechtfertigt, wenn Arbeit einfach Mittel zum Zweck bleibt. Vielleicht kennt unsere Generation das Wort «Midlife-Crisis» in Zukunft nicht mehr, weil wir uns jetzt schon genügend um unsere Psyche kümmern und die grossen Lebensfragen nicht erst mit vierzig auf uns zurollen! Ausserdem wird politisches En- gagement nicht als Arbeit angesehen, da die wenigsten damit ihr Geld verdienen. Jede:r soll sein:ihr Leben so gestalten, wie er:sie will – dann kommt das schon gut! Es werden sich sicherlich neue Arbeitsstrukturen bilden; der Arbeitsmarkt muss sich anpassen. Aber ich mache mir keine Sorgen, dass die «Arbeitstiere» verschwinden werden und sich plötzlich alle mit einem 60%-Job, in dem man okay-gut verdient, zu- friedengeben. Es wird weiterhin diejenigen geben, die sich Tag für Tag den Hintern abrackern. (Ella Mihatsch, 22 Jahre)
«Ohne-mich» und «Work-Life-Balance» sind keine Lebenseinstellungen, die in meiner 2005-DNA einkodiert sind. Vielmehr probiere ich, sie mir aktiv anzutrainieren. Ich kenne genug Leute in meinem Umfeld, die vor, in oder nach einem Burnout stehen, und bis jetzt habe ich es geschafft, dass mir das nicht passiert ist. Und ich wäre sehr froh, wenn das so bleiben würde. Meine zukünftige Arbeitgeberin auch. Dazu muss man sich selbst kennen, sich Grenzen setzen, Pausen machen. Eine ausgeglichene Menschin hat eine an- genehme Aura, ist glücklicher. Man muss nicht immer und überall dabei sein. Die FOMO, Fear Of Missing Out (ha, ha, fast wie FAMA – hilarious!), überwinden. Das ist anstrengend. Davon brauchen alle mal eine Pause. Die finden man- che dann eben vielleicht im Vorstand der Grünliberalen Partei. Oder im nationalen Golf Kader. Oder beim Organisieren von einem Podium zu Frauen im Iran. Oder mein «Coping-Mechanism»: bei einer Theaterproduktion dabei sein, deren Proben jeden Tag nach der Schule bis um 22 Uhr gehen. (Philine Oldenhage, 17 Jahre)
«Zuerst das Vergnügen und dann die Arbeit.» – Ist das die Arbeitsmoral unserer Generation? Ganz so einfach ist es auf jeden Fall nicht! Ich habe das Gefühl, dass sich viele aus meiner Generation trotzdem sehr viel Druck machen. Denn wir spüren viel Druck – vom System, von der Schule, von der Uni etc. Aber genau das spüren wir auch sehr stark. Wir spüren, dass es nicht okay ist, und probieren uns mehr Freiheiten und mehr Freizeit zu erkämpfen. «Ungewisse Zukunft» – Obwohl es viele Gründe gäbe, hoffnungslos zu sein, sind wir sehr aktiv und machen viel. Wir könnten auch einfach sagen: «Warum sollte ich einen Bildungsabschluss machen, wenn diese Welt sowieso bald untergeht?» Ich habe aber nicht das Gefühl, dass es so ist. Wie gesagt, wir sind sehr aktiv. Ja, wir sind schon auch sehr aktiv in dem «ohne uns» oder beziehungsweise «ohne mich»! Aber weil es ein kollektives «ohne mich» ist, funktioniert eine Gesellschaft trotzdem. Aus einem individuellen «ohne mich» wird ein «ohne uns». Das verbindet uns sehr, und genau das ist für mich das Spezielle und Tolle an unserer Generation! (Hanna Mihatsch, 17 Jahre)