Viele kennen sie. In Kreuzworträtseln ist sie keine Unbekannte, die Fama. Vier Buchstaben waagrecht: römische Göttin des Gerüchts? Und in einigen Sprachen spannt sich ein Wortfeld auf von famos, fameux, famoso zu famous: excellent, splendid, berühmt, berüchtigt, phantastisch, toll.
Geburtsstunde
Die Geburtsstunde der feministisch-theologischen Zeitschrift FAMA, die seit über dreissig Jahren erscheint, war im August 1984 an einer «Bulletin»-Sitzung. Denn so hiess das Vorgänger-Organ von FAMA: «Bulletin der theologischen Frauen – Web- und Werkstatt». Protokolliert wurde damals Folgendes: «Diskussion des Namens unseres Bulletins: Vorschläge: Begin(n)en – Lilith – Kassandra – Anna – Sira – Kreuzspinne – Netzwerk – Fama. Begin(n)en, Sira und Fama werden in die engere Wahl gezogen. Begin(n)en erscheint uns zu originell (d.h. verlangt zu viele Erklärungen), was bei Sira und Fama nicht der Fall zu sein scheint. Die Mehrheit der Frauen entscheidet sich für Fama, sodass unser Bulletin nun umgetauft ist in: ‹FAMA – Zeitschrift der feministisch-theologischen Frauen – Web- und Werkstatt›.» Und in der letzten Nummer des Bulletins war von Carmen Jud zu lesen: «Wir haben einen Namen: ‹FAMA – Bulletin der theologischen Frauen – Web- und Werkstatt› wird die Zeitschrift ab 1985 heissen. Das lateinische FAMA oder das griechische PHAEMAE ist ein sehr schillernder Begriff, der in seiner Bedeutung Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet. Fama heisst Sage, öffentliche Meinung und auch Orakelspruch, weitere Bedeutungen sind etwa: Gerücht, Rede, guter oder schlechter Ruf, Ruhm. Als Personifizierung des sich ausbreitenden Rufs oder der Sage, Geschichte, die umgeht, gilt FAMA auch als Göttin.»
Die erste Heft-Nummer
In der ersten Ausgabe der FAMA schrieb Silvia Strahm Bernet im Editorial: «Ein Gerücht ist sie, unsere Zeitschrift, ein Projekt, das vom Weitererzählen lebt. Dass ihr Ruf nicht allzu schlecht ist, das beweisen uns eure Bestellungen von Abonnements und Probenummern, die uns gut tun und Mut zum Weiterarbeiten geben. Den Ruhm, den erträumten wir nicht, nur dem Orakel, dem meist unheilvollen, möchten wir entgehen: dass wir uns zu viel vorgenommen, zu knapp kalkuliert haben und uns die neue, schönere Form finanziell nicht leisten können …» Doch bald war die FAMA mehr als ein Gerücht und hatte sich einen guten Ruf und einen gewissen Ruhm erarbeitet, scheidende Redaktorinnen konnten problemlos ersetzt werden, reformierte Theologinnen kamen hinzu, die Administration wurde ausgelagert und bezahlt, das Layout nicht mehr selbst von Hand geklebt usw.
Immer noch überzeugend
21 Jahre lang, bis 2006, blieb ein Kern der Gründerinnen in der FAMA-Redaktion: Doris Strahm, Silvia Strahm Bernet, Carmen Jud und ich. Andere Gründerinnen wie Regula Strobel, Monika Senn Berger, Cornelia Jacomet schieden im Lauf der Jahre aus dem Team aus, neue Frauen kamen dazu wie Li Hangartner, Barbara Seiler, Jacqueline Sonego Mettner, Ursula Vock und Irina Bossart. Der Name FAMA war und blieb für uns Programm: Wir wollten unsere Meinung kundtun, uns einmischen in die öffentlichen Diskussionen, Themen aufgreifen, die in der kirchlich-theologischen Männerpresse keinen Platz hatten, feministisch-theologische Positionen formulieren und verbreite(r)n. Auf Anfrage meinten einige der Gründerinnen, dass der Name für sie auch heute noch stimme. Carmen Jud drückte es so aus: «Mir hat das Schillernde und Zeitverbindende des Namens gefallen, das nach vorne und hinten offen ist, ins Positive wie ins Negative kippen/deuten kann. Ich weiss auch noch, dass ich mit Cordula Schürmann zusammen Layoutvorschläge der Titelseite gemacht habe. Wir waren froh um den kurzen Namen und haben versucht, dieses Schillernde, Mehrdeutige mit den beiden unterschiedlich gekippten A’s auszudrücken. Heute verbinde ich mit der «FAMA» natürlich unsere FAMA und die Zeit als Redaktorin, gemeinsam mit Euch anderen Frauen. Ein Raum des gemeinsamen Reflektierens, Träumens, Suchens, Streitens. Unser Projekt, das wir gemeinsam ausgeheckt, gestaltet und durchgetragen haben – inhaltlich, finanziell, personell. Ein Projekt, das auch nach über 30 Jahren aktuell ist und einem Bedürfnis entspricht. Wichtig war mir auch immer, dass wir an den Sitzungen nicht nur eine Nummer geplant und organisatorische Themen bearbeitet haben, sondern das Zusammensein, das gemeinsame Essen und Feiern, die Anteilnahme am Leben der Kolleginnen/Freundinnen.»
Der gute Geruch und die gute Kunde
FAMA hat mein Denken und Arbeiten geprägt als Jugendseelsorgerin, als Spitalseelsorgerin und als Leiterin der röm.- kath. Frauenstelle Basel-Stadt. Und die FAMA hat es nicht nur geschafft, die Jahrzehnte zu überdauern, nein: Sie hat ihren Elan und ihre Neugier behalten und stellt weiterhin – nun in den Händen einer jüngeren Generation – kritische und anregende Fragen und sucht nach neuen Antworten. Immer noch verbreitet FAMA gute Kunde, die gute Nachricht von Gerechtigkeit und dem guten Leben für alle, damit «die Transzendenz in unserer Welt zu spüren ist, als ob man überall Gott riechen und seinen ganz besonderen Duft wahrnehmen würde» (Elsa Tamez). Diesen Geruch, dieses Gerücht braucht die Welt mehr denn je.