«Mahlgemeinschaft» ist ein steiles Wort. Im Alltag benütze ich es nicht. Weil ich eher sagen würde «Essen gehen», oder: Wir haben zusammen gegessen. Mahlgemeinschaft klingt für mich nach Poesie, die sich vor der Überhöhung nicht zu scheuen braucht. Von daher passt das Wort in meinen Augen in die Liturgie und zum Gottesdienst. Hier geht es ja immer um das «Mehr» und das «Grössere», um das, was wir tun und was uns dabei selbst übersteigt.
Mir gefällt es, dass uns für diese FAMA-Ausgabe kein besseres Wort eingefallen ist, um sie zu bezeichnen. Im Grunde ist uns kein treffenderes Wort in den Sinn gekommen. Nicht, weil es diesmal ausschliesslich um Liturgie und das Mahl im religiösen Umfeld gehen würde. Sondern: Essen ist Essen und ist eben doch meist mehr als das. Essen heisst Ressourcen, Verwendung und Verschwendung; Essen heisst Genuss und Verzicht; es heisst eingeladen sein und ausgeschlossen werden; Essen braucht Raum und Gestaltung. Ist Essen ein Mahl, dann hat es, zumindest in meinen Ohren, etwas Feierliches und geschieht mit anderen. Mahlgemeinschaft eben.
Das schön klingende Wort ruft mir auch ins Bewusstsein, wie wenig selbstverständlich das ist, was es zum Ausdruck bringt. Die Natur nährt uns mit dem, was unsere Natur als Lebewesen braucht. Und kulturelle Errungenschaften sind es, Nahrungsmittel zu kultivieren und kultiviert miteinander zu essen. Bis es kippt in Übermass, Völlerei und Ausbeutung, bis sich die Zerstörung mit an den Tisch setzt. Wir brauchen dringend das Bewusstsein dafür, wie wenig selbstverständlich Essen ist. Dass Mahl halten in unseren religiösen Traditionen mitunter eine wichtige Rolle spielt, scheint mir von daher unmittelbar einleuchtend: Ist doch die Weise, wie und womit wir uns ernähren, ein unbestechlicher Gradmesser dafür, welchen Wert wir Verbundenheiten geben.
Diese FAMA-Ausgabe möchte wie ein reich gedeckter Tisch sein. Wir wünschen Ihnen einen nachhaltigen Genuss und in diesem Sinne eine frohe «Mahlgemeinschaft».