Ähnlich wie andere Religionen macht der Islam Vorgaben zum Essverhalten seiner Religionsangehörigen. Neben den Vorschriften zu zulässigem Essen weist der Islam auf einen guten Umgang mit Nahrung hin. Diese Chance kann ergriffen werden, das Bewusstsein für Food Save zu stärken.
«Halales» Essen
In den heiligen Schriften – dem Koran und den Überlieferungen des Propheten Muhammad – werden Speisevorschriften weitergegeben. Das Wort «halal» ist weithin bekannt. «Halal» kommt aus dem Arabischen und wird mit «erlaubt» und «zulässig» übersetzt. Ist etwas halal, dann dürfen es Muslim*innen essen oder trinken. Grundsätzlich sind alle Lebensmittel halal, sofern sie nicht eindeutig im Koran und in den Überlieferungen verboten sind.
Zu den bekanntesten Speisen, die nicht zum Verzehr erlaubt sind, gehört Schweinefleisch. Bei den Getränken ist es der Alkohol. Blut und Aas sind zum Verzehr ebenfalls verboten. Als rein gilt nur jenes Fleisch, das nach islamischem Ritual geschächtet und völlig ausgeblutet wurde.
Essen und gottesdienstliche Handlung
Neben dem Aspekt des «Halal-Seins» der Lebensmittel spielt im islamischen Glauben auch der bewusste Umgang mit Nahrung eine Rolle. Zwei achtsame Umgangsformen seien genannt: gesunde Ernährung und Vermeidung von Verschwendung.
Gesunde Ernährung trägt zum Erhalt des Körpers bei und reduziert das Risiko für Krankheiten wie Diabetes oder Übergewicht. Wer sich gesund ernährt, trägt gleichzeitig zu einem längeren Leben bei und ist leistungsstärker. Der Schutz des Körpers kann als gottesdienstliche Handlung betrachtet werden, da sich der Mensch bemüht, das sogenannte Geschenk Gottes zu schützen und Gutes auf der Erde zu vollbringen.
Kein verschwenderischer Lebensstil
Die islamische Lehre ruft dazu auf, in vielen Bereichen des Lebens das Mittelmass aller Dinge zu verfolgen. Das betrifft das Essen, Trinken, Spenden oder auch das eigene Verhalten allgemein. So sagt Gott im Koran:
«Es ist doch Er, der Gärten ins Sein gebracht hat, sowohl die kultivierten, wie auch die wild gedeihenden – und die Dattelpalme, und Felder, die vielerlei Früchte hervorbringen, und den Olivenbaum, und den Granatapfel; [alle] einander ähnlich und doch so verschieden! Esst von ihren Früchten, wenn sie gereift sind, und gebt [den Armen] ihren Anteil am Tag der Ernte. Und verschwendet nicht [Gottes Huld]; wahrlich, Er liebt die Verschwender nicht!» (Koran 6: 141)
Auch das Wasser ist ein hohes Gut, das geschützt werden soll. Neben der lebenswichtigen Bedeutung für den Menschen spielt es auch für das Gebet eine Rolle, da die rituelle Gebetswaschung eine Voraussetzung zum Vollzug des Gebets ist. Der Prophet Muhammad legte Wert darauf, wenig Wasser zu nutzen, um die rituellen Waschungen zu vollziehen. Einer Überlieferung zufolge ermahnte er eine Person, die während der Gebetswaschung zu viel Wasser benutzte: «Selbst, wenn du die Waschung in einem Fluss vornimmst, ist ein verschwenderischer Umgang mit Wasser möglich.» Der Prophet soll die Waschung mit weniger als einem Liter Wasser vollzogen haben.
Nachhaltige Iftars
Besonders im Fastenmonat Ramadan ist festliches Essen und Trinken angesagt. So ist es auch eine der Herausforderungen, das Essen für das Fastenbrechen – arabisch «Iftar» – gut zu kalkulieren, um keine Verschwendung zu verursachen.
In diesem Zusammenhang ist der nachhaltige Iftar zu nennen. In der Schweiz und stärker noch in Deutschland sind vermehrt Tendenzen zu beobachten, beim Fastenbrechen auf die Nachhaltigkeit zu achten: zum Beispiel wird das Besteck von zu Hause mitgenommen, um Wegwerfgeschirr zu vermeiden. Vorreiter ist «NourEnergy» – die erste muslimisch- deutsche Organisation für Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Mit einer Kampagne namens «GreenIftar» machte sie in den vergangenen Jahren auf einen nachhaltigen Ramadan aufmerksam. Sie rief unter anderem zu Plastik-Fasten auf, unterstrich die Wichtigkeit des saisonalen und regionalen Konsums und auch des bewussten Umgangs mit Wasser.
Im Ramadan 2018 organisierte die Muslim Students Association Zürich MSAZ das erste «Zero Waste Fastenbrechen » der Schweiz. «NourEnergy» veröffentlichte zudem in Kooperation mit der MSAZ einen Leitfaden für zukünftig häufigere «grüne Fastenbrechen».
Food Save und Ressourcenschutz
Dass Religionen wie der Islam auf die Verschwendung aufmerksam machen, ist eine gute Sache. Denn die Essensund Verhaltenskultur werden stark von der eigenen Religion mitgeprägt.
Verschwendung und übermässiger Konsum haben eben weitreichende Folgen für uns als Lebewesen der Erde. Die Impulse aus den Religionen können eine gute Brücke zu den heutigen Überlegungen zu einem nachhaltigeren Umgang mit unseren Ressourcen bauen. Wichtig ist, diese Aspekte der Religionen stärker ins Bewusstsein zu rufen und einen guten Umgang mit Ressourcen als Selbstverständlichkeit anzusehen.