Für eine geschlechtergerechte Gesellschaft bedeutet das, dass Männer sich ohne Bedenken in die Hälfte der Care-Arbeit stürzen dürf(t)en und Frauen mit Lust und Wonne viel mehr Ämter antreten und einnehmen. Die Autorinnen dieses Hefts zeigen aus verschiedenen Blickwinkeln, was es bedeutet, ein Amt mit Würde zu versehen, es auszufüllen, zu leben, zu gestalten.
Es gibt eine beeindruckende Fülle von Beispielen, die zeigen, wie Frauen ihre Möglichkeiten nutzen, ihre Visionen, ihre Kompetenzen in verschiedenen Ämtern zu gestalten und zu handeln. Unsere Bildauswahl dazu spricht Bände. Und dabei handelt es sich keineswegs um Ausnahmesituationen, wenn eine Frau ein Amt, auch ein höheres, besetzt. Natürlich soll hier nicht einer bereits bestehenden Parität das Wort geredet werden. Und doch nehmen Frauen wesentlich häufiger Ämter ein, als es oft dargestellt wird. Rhetorisch allerdings ist diese Sprachfigur der «Ausnahme» bis heute in unseren Köpfen. Sie sollte nicht unsere Realität zementieren.
Der Antritt eines Amtes bedeutet, Themen und Prozesse gestalten zu können: als Beziehungsarbeit, als Funktion in einer vernetzten Arbeitsteilung, als Reform, als Koordination, als Entscheidungsbefugnis. Ämter bieten also eine Chance, sie mit der eigenen Vorstellungskraft zu füllen, umzugestalten oder zum Besseren zu verändern. Frauen gestalten Würde: Indem sie ihre Vorstellungen in Respekt vor den Zielen des Amtes, den innewohnenden Funktionen und entsprechenden Regeln gestalten. Die kritische Distanz, die gerade feministische Perspektiven auf Ämter geworfen haben, ist gleichzeitig eine Chance. Eine Chance, die kritische Distanz in die Ausgestaltung einzubringen: die Zustimmung und das Getragensein in Ämtern durch andere; die zeitliche Befristung, sei das Amt politisch, theologisch, liturgisch oder gesellschaftlich; die stetige Unterscheidung zwischen Anforderungen des Amtes und rein persönlichen Zielen. Raum greifen, Platz nehmen – immer noch ist diese Forderung der Frauenbewegung aktuell. Für Ämter in Würde, die Zukunft gestalten.