Wir wissen, dass die Menge an Treibhausgasen, die wir verantworten, den Klimawandel verursachen. Wir können belegen, dass die Durchschnittstemperatur unseres Planeten in den vergangenen Jahrzehnten angestiegen ist. Wir wissen, dass somit auch der Meeresspiegel steigt und dass sich Naturkatastrophen immer mehr häufen. Und wir wissen auch, wie wir dem Klimawandel begegnen müssten: erneuerbare Energien statt Kohle- und Atomstrom, Elektro statt Benzin, Recycling statt immer mehr Plastik.
Um Lösungen aber auch wirklich umsetzen zu können, brauchen wir Menschen in der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft, die eben nicht nur um den Klimawandel wissen, sondern auch wirklich daran glauben. Irgendwie müssen wir es als Gesellschaft schaffen, dass die Leute mal zu sich selbst sagen:
«Mer gnüegelets!»
«Mer gnüegelets», welch wundervoller schweizerdeutscher Begriff.
Er drückt wohl so eine Art des Angeekeltseins aus, ein Völlegefühl, kurz bevor man sich übergibt. Vielleicht stehen wir ja bald mal vor unserem Kleiderschrank voller Fast Fashion, vor unserem Müllsack voller Plastikverpackungen oder vor dem Check-in-Schalter voller Leute, die von Zürich nach Frankfurt fliegen, und sagen zu uns selbst:
«Mer gnüegelets!» Und dann, vielleicht, beginnen wir zu glauben, was wir schon lange wissen. Und dann, vielleicht, beginnen wir endlich, gemäss unserem Glauben zu handeln.
Ausgabe 2022/3
Vorausgeblickt | Suffizienz
Es gibt Dinge, die wir sicher wissen, aber trotzdem nicht glauben.