Ausgabe 2022/3

Vorausgeblickt | fromm

Text: Sophie Zimmermann / 16.05.2025

Als ich mit dem Theologiestudium anfing, hatte ich Angst, nicht fromm genug zu sein. Von vielen Seiten wurde impliziert, man müsse ein solides Glaubensleben haben, ansonsten könne man keine gute Theologie treiben. Doch welche Glaubenspraxis macht gute Theologinnen?

Ich selbst kann nicht seelenruhig beten – es schleichen sich immerzu dröhnende Fragen auf: Wie soll das Erhören von Gebeten vernünftig denkbar sein? Kann göttliches Einwirken in die Welt logisch gedacht werden? Wie lässt sich das Nicht-erhört-Werden dringlicher Gebete erklären? Und wenn ich etwas zu hören glaube, bin das dann nicht vielmehr ich selbst, die mir Antworten auf meine Fragen gibt?

Wenn ich einen Gottesdienst besuche, beginnt es in mir zu fragen: Wie wird die Liturgie umgesetzt? Wie durchdacht ist die Predigt? Wie klerikal ist diese Feier? Wie ist das Geschlechterverhältnis im Altarraum?

Und: Macht das alles eigentlich Sinn? Ja, ich verfalle in dem vor lauter Fragen umhergwirbelten Boot dem Kleinglauben. Und doch bin ich sicher: Das Glauben-Wollen, doch Hadern, Anfechten, das Sich-Drehen und -Winden, das Sich-Abarbeiten an nie beantwortbaren Fragen, das Sich-den-Kopf-und-das-Herz-Zerbrechen an Sinn und Sinnlosigkeit unseres Glaubens, das Sich-Aufreiben an Kirchenstrukturen, die stetige Verlockung, den Bettel einfach hinzuschmeissen – das ist die einzige Glaubenspraxis, durch die ich gute Theologie hervorzubringen vermag.