Ausgabe 2022/4

Editorial | fromm

Bin ich «fromm»?
CStark 2022_EgliFoto
Text: Christine Stark / 16.06.2025

Je nach Blickwinkel ist das eine herausfordernde Frage, trägt dieses Wort doch einigen Ballast mit sich. Es gibt Gläubige, ja auch Pfarrerinnen und Priester, die sich als alles Mögliche bezeichnen lassen würden, bloss nicht als «fromm». Denn dies riecht nach engstirnig, missionarisch, bigott oder auch «frömmelnd». In meiner Kindheit hiess es, «die Frommen» trügen immer so ein «Lächeln aus dem Jenseits» im Gesicht.

Wie gut, dass irgendwann ein neues Wort um sich griff, das weniger altbacken, ja geradezu weltoffen und schick klang, nämlich «spirituell». Sind wir nicht alle irgendwie «spirituell»? Allerdings tönt diese Bezeichnung irgendwie vergeistigt und überschminkt für mich das Alltägliche und Handfeste, das eine geerdete Frömmigkeit ausmacht. Glauben ist immer auch Glaubenspraxis, konkrete Handlung. Dieser Aspekt schwingt beim Wort «fromm» immer noch mit. Noch in der Reformationszeit wurde es im Sinn von «tüchtig, tapfer, rechtschaffend» verwendet und keineswegs exklusiv religiös oder gar abwertend verwendet. Können wir etwas von diesem Aspekt wiedergewinnen? Ja, findet die FAMA: Die religiöse Praxis von Frauen ist vielfältig. Zuweilen wird sie von religiösen Meinungsführern geächtet oder mit Hindernissen belegt. Und doch ist sie in ihrer ganzen Vielfalt «tüchtig, tapfer und rechtschaffend». Daher titelt diese FAMA selbstbewusst «fromm» und setzt sich mit jener Vielfalt auseinander. Die Beiträge bieten religionswissenschaftliche Einordnungen und persönliche Erzählungen. Und es wird deutlich, dass Frömmigkeit nicht «aus dem Jenseits» lächelt, sondern etwas sehr Diesseitiges ist: Seien es Gesten wie das Kreuz, mit dem eine Mutter ihre Kinder segnet, überwältigende Erfahrungen wie eine Geburt oder praktische Tätigkeiten wie das Brotbacken.

Nicht gerade fromm, sondern im wahrsten Sinne des Wortes Augen zwinkernd ist die Illustration des Hefts: Emojis sind aus unserer Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Interessant und anregend ist es, wie auch hier immer wieder Religion oder Glaubenspraxis sichtbar werden.