Text: Jeannette Behringer / 31.10.2024

Auf dem Weg zu einer Tagung betrete ich ein ehemaliges Kloster der Franziskanerinnen, im Zentrum einer kleinen Gemeinde, mit wunderbarem Blick bis zum Horizont. Schon beim Eintreten atme ich Vergangenheit und Zukunft: Wunderbar restaurierte Räume, die einen kahl, die anderen mit Instrumenten. Die Tische in unserem Seminarraum unter schrägen Decken stehen auf buckligen Holzböden, die Stifte kullern abwärts. Auch dieses Kloster, längst aufgegeben durch die Ordensgemeinschaft, suchte seine neue Bestimmung. Oder eben gar keine mehr, abgerissen sollte es werden. Bis jemand auf die Idee kam, das «Abrissbudget» in den Aufbruch zu stecken. Heute findet dort Gemeinwesen statt, der Chor singt, die Musikschule übt, das Kino hält Einzug. Theater hat Raum. Leben ist wieder eingezogen. Gestaltet durch neues Zusammenwirken.

Dennoch: Ist das die Zukunft, die wir wünschen (sollen)? Auch wenn Gebäude erhalten und sogar Verwendung für neue Formen des Zusammenlebens gefunden werden: Die Ordensgemeinschaft, die Gemeinschaft der Frauen, ihr geistliches Leben ist in dieser Form hier zu Ende. Ich bin hin- und hergerissen. Muss es nicht so sein – ist dieses gemeinsame Kontemplative nicht überholt, und bergen gerade auch Frauenorden nicht auch schwierigste Geschichte? Und wie sieht die Situation in anderen Religionen aus?

Gleichzeitig, so bin ich überzeugt, ist das Neue unbedingt zu versuchen, wenn auch nicht um jeden Preis. Rechtzeitig und mit vereinten Kräften entstehen auch neue Chancen in anderen Gewändern. Ein anderes Kloster, über das ich lese, plant seit vielen Jahren eine andere Zukunft. Diese Schwestern suchen die Kooperation, bauen um und öffnen sich für Bedürfnisse der Welt da «draussen», indem Wohnungen und neue Begegnungsorte entstehen. Profan? Nein. Ich wünsche mir, dass daraus neue Quellen werden, Chancen für Spiritualität, die auf Fragen nach Transzendenz, Tiefe, Leben, Gehalten-Sein Antworten geben. Ich wünsche mir Menschen mit Weitblick und Mut, ins Offene zu gehen.