Seit Juli müssen Unternehmen in New York offenlegen, welche KI-Software sie bei Bewerbungsverfahren verwenden. Die Schweiz sieht diesbezüglich zwar keinen Handlungsbedarf, aber auch in Deutschland wird darüber diskutiert, den Einsatz von KI im Arbeitsleben gesetzlich zu regulieren. Warum? Weil künstliche Intelligenz beim sogenannten «Selbstlernen» leider nicht kritisch reflektiert, sondern lediglich die ihr zur Verfügung gestellten Daten kombiniert und wiederkäut. Wenn also gemäss dieser Daten nur wenige bis keine Frauen in bestimmten Berufen vorkommen, «denkt» sich die KI, dass Bewerbungen von Frauen gleich zu Beginn auszusortieren sind. KI ist alles andere als intelligent, wenn es für sie «undenkbar» ist, dass sich Berufsbilder ändern können, zum Beispiel durch die Beteiligung bislang marginalisierter Gruppen wie Frauen oder People of Color.
Aussortiert, abgesagt: «Ohne dich», weil dein Geschlecht nicht zum datenbasierten Berufsbild passt. Das passiert leider und muss wie alle anderen Schwächen von KI von menschlicher Intelligenz reguliert werden. Wie gut und wichtig ist es da, dass sich gendersensible Menschen mit Technik befassen, dass es Frauen gibt, die gerade nicht «ohne mich» sagen, wenn es ums Programmieren geht. Ich persönlich gehöre nicht dazu. Weil ich noch nie besonders technikaffin war, sagte ich als junge Frau ganz selbstbestimmt «Ohne mich» zu einem technischen Beruf. Und nun finden sich andere Frauen in einer fremdbestimmten Situation wieder, in der ein technisches Werkzeug über ihr «Ohne mich» entscheidet, noch ehe sie in einem Bewerbungsgespräch Stellung nehmen können.
Das Beispiel aus der Arbeitswelt zeigt, wie ambivalent das Thema dieser FAMA ist. «Ohne mich» kann vieles meinen: Freiheit oder Ausschluss, Selbstermächtigung oder Diskriminierung. Eine wichtige Bedeutung hat dabei das Geschlecht, sowohl bei den bewussten und starken «Ohne mich»-Entscheidungen als auch bei der Erfahrung, bei bestimmten Gruppen oder Anlässen nicht erwünscht zu sein. Darüber sollte nachgedacht werden, und zwar sicher nicht ohne die FAMA.
Christine Stark