Von Erotik und Keuschheit über Prostitution und Scham gibt es wenig, was an wunderbar schönen, schillernden oder prickelnden Facetten nicht zur Sprache gekommen wäre. Auch Befremdliches mag vorgekommen sein. Den ganz hässlichen Seiten hat sich FAMA mit dem Heft «Sexuelle Ausbeutung» 1993 gestellt. Die Ausgabe 2020/4 legt keinen Schwerpunkt auf Gewalt oder die Missbrauchsthematik im kirchlichen Umfeld.
«Sex sells» heisst es gemeinhin. Doch über den Verdacht alle paar Jahre einen Bestseller herausgeben zu müssen, ist FAMA wahrscheinlich erhaben. Warum also schon wieder ein Heft zu diesem Thema, ist noch nicht alles gesagt? Nicht ganz: Seit einigen Jahren – auch im Nachgang zu den #MeToo-Debatten – ist die Lust von Frau*en Thema. Endlich sprechen und schreiben sie selber darüber, was sie mögen, wollen, begehren (und was nicht). Und dies nicht im stillen Kämmerlein, sondern in der medialen Öffentlichkeit. Es ist tatsächlich immer wieder neu dringlich über Sex nachzudenken, darüber zu sprechen, unser Begehren zu erspüren und zu ergründen. Es ist immer wieder neu eine Aufgabe herauszufinden, was für heutige Menschen, insbesondre Frau*en, die brennenden Fragen sind. Und es ist für alle wichtig zu verhandeln, wo es Ansätze gibt, die befriedigendes, lustvolles, ja gutes Leben in, mit und rund um Geschlechtlichkeit ermöglichen. Wir danken allen Frau*en, die ganz Persönliches und Intimes mit uns geteilt haben!
Es lohnt sich übrigens in Ihrer FAMA-Sammlung die alten Hefte hervorzusuchen und den einen oder anderen Artikel wieder zu lesen: Vieles ist immer noch (teilweise erschreckend) aktuell. Es geht aber auch ohne private Sammlung oder den Gang in die Bibliothek: Im Archiv auf dieser Webseite können alle Hefte als pdf-Datei abgeholt werden.
Viel Vergnügen!