Ausgabe 2024/4

Über das ganze Leben | Kinderlose / kinderfreie Frauen im Gespräch

Teil 1 / 9
© Moni Egger: Letztes Menstruationsblut, Kohle und Kreide auf Papier
Publiziert 07.06.2025

Es gibt kein neutrales Adjektiv für ein Leben ohne Kinder. Wer «kinderlos» sagt, impliziert einen Mangel, wer «kinderfrei» sagt, einen Gewinn. In der Wortwahl schwingt also schon eine Haltung mit. Wenn es nicht einmal ein einziges Wort gibt, um diese Lebensform zu beschreiben – wie sollte dann eine einzige Frau darüber schreiben können? So haben wir vier Frauen zu einem Gespräch eingeladen, um über ihre Erfahrungen zu reflektieren. Frauen aus vier Generationen und vier Herkunftsländern. Sie teilen ein Element ihrer Lebensweise: Sie haben keine eigenen Kinder. Das Gespräch leiten Veronika Henschel (*1990er Jahre) und Geneva Moser (*1980er Jahre), beide sind FAMA-Redaktorinnen und ebenfalls kinderlos / kinderfrei. Aus dem Transkript des dreistündigen Gesprächs ist dieser Artikel entstanden.

Liebe Geneva
Jetzt habe ich alle Transkripte gelesen, die unsere Kolleginnen von der Aufnahme eures Gesprächs erstellt haben – 45 Seiten! – und bin beeindruckt: Ihr habt ja wirklich über das ganze Leben gesprochen. Wow! Ich bin gespannt, wie ich eure vielen Gedankenfäden zusammenweben kann. Hoffe, die Ruach ist bei mir und schenkt ihre Geistkraft, damit ich euch gerecht werden kann.
Für mein inneres Bild: Kannst du mir sagen, wo ihr euch zum Gespräch getroffen habt? Wie sah es dort aus im Haus, im Raum, am Tisch?
Danke
Moni

Liebe Moni
Ja klar, gerne. Wir haben uns an der Gartenhofstrasse 7 in Zürich getroffen, also in dem Haus, in dem früher die religiös-sozialistische Familie Ragaz lebte und wirkte. Dort ist im Erdgeschoss ein kleiner Saal, der mit seinen Möbeln und alten Zeitschriften, Büchern und Plakaten einen etwas nostalgischen Geist von Friedensaktivismus, Frauenbewegung, Theologischer und Religiös-Sozialistischer Bewegung atmet. Wir sassen an einem grossen eckigen Tisch mit vielen Snacks und Getränken.
Vielen Dank fürs Verweben. Ich bin ja sehr gespannt. Das Gespräch hatte auf jeden Fall auch viel Ruach geschenkt bekommen, so mein Erleben. Das sei dir auch gewünscht!
Geneva

Veronika Jehle, geboren in den 1980er Jahren in Österreich, seit 13 Jahren in der Schweiz. Arbeitete als römisch-katholische Theologin einige Jahre in der Seelsorge, jetzt beim Forum, dem Magazin der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. FAMA-Redaktorin.

 

Susanne Imhof, geboren in den 1970er Jahren in der Schweiz, aufgewachsen in einem Pfarrhaus im Tösstal und im Bündnerland, Betriebswirtschaftlerin, aktuell beschäftigt beim Kanton Zürich und Startup-Mitgründerin.

 

Rifa’at Lenzin, geboren in den 1950er Jahren in der Schweiz, pakistanischer Background, aufgewachsen grösstenteils in der Schweiz, Islam- und Religionswissenschaftlerin, Pionierin des Interreligiösen Dialogs, Mitglied des Interreligiösen Think-Tanks.

 

Sr. Ingrid Grave, geboren in den 1930er Jahren in Deutschland, seit dem Noviziat bei den Dominikanerinnen von Ilanz in der Schweiz, war Sekundarlehrerin, in der Ordensleitung und beim Schweizer Fernsehen tätig.